Ruhland | Erstfassung 10.10.2017 UPDATE 1.12.2018 


Jägerlatein

... oder: Bockzeit in Kopfing.


Die "Bockzeit" in Kopfing kann für Überraschungen gut sein.

Nach einem "Waidmannsheil" geht es manchmal darum, eine Trophäe für den weiteren "ewigen Anblick" zu präparieren. Diese Geschichte braucht für das gute Ende eine Obduktion ...

QUELLE: Zeitungsbericht Josef Ruhland (Rieder Volkszeitung 1975).

 

Seltsames Waidmannsheil

Am ersten Tag der Bockzeit ging ein leidenschaftlicher Jäger auf die Pirsch. Das heißt, er fuhr eigentlich auf die Pirsch, weil er sich mit seinem Lieferwagen Richtung Jagdrevier aufmachte.

 

Doch er sollte eine Überraschung erleben: Plötzlich stand, mitten auf dem Güterweg, ein ausgewachsener Bock vor ihm.

 

Der Jäger war nicht nur ein leidenschaftlicher Grünrock, sondern auch ein wirklich verantwortungsvoller Autofahrer. Sofort verringerte er die Geschwindigkeit. Der Bock jedoch machte keine Anstalten, die Straße zu räumen. Der Jäger blieb stehen und auch sein Gegenüber rührte sich nicht von der Stelle. Es blieb ihm nichts anderes über, als den Bock zu umfahren. Und während er dabei gebannt den stocksteif dastehenden Bock beobachtete, blieb er mit dem Auto im Straßengraben hängen.

 

Er stieg aus und begann immer mehr zu zweifeln: War dieser Bock wirklich aus Fleisch und Blut? Nach einer genauen Überprüfung mittels Feldstecher war er jedoch sicher, dass es sich um einen "echten" Bock handelte.

 

Jetzt ging es nur noch darum, ihn waidmannsgerecht zu erlegen. Doch nun brach ihm der kalte Schweiß aus: Er hatte weder Gewehr noch Jagdmesser mitgenommen. Was tun?

Sein Auto schien ihm groß genug, den seltsamen Rehbock darin unterzubringen. Auch eine Kette lag im Kofferraum, um ihn festzubinden. Noch immer zweifelnd und seinem seltsamen Jagdglück nicht ganz trauend, wollte er den Bock - um nur ja keinen Bock zu schießen - dem Jagdpächter vorführen.

 

Erst als dieser seinen Fang mit geglücktem Stoß geknickt hatte, schwand der kalte Schweiß von seiner Stirn.

 

Für uns bleibt nur noch abzuwarten, ob der Jäger nun auch während der restlichen Bockzeit sein Jagdglück mit Kette und Lieferwagen suchen würde - oder doch wieder mit seinem Stutzen in der Hand ... 

 

Das Rätsel löste sich übrigens Tags darauf beim Kirchenwirt. Nicht am Jäger-Stammtisch, sondern nach dem Sezieren des Bocks durch die sachverständigen Jagdkollegen.

 

Beim Bock wurde ein Lungenriss als Folge einer Kollision mit einem Auto festgestellt. Der war Ursache seiner Apathie gegenüber dem Jäger, dem wird trotzdem ein herzliches "Waidmannsheil" wünschen.

 

Die Geschichte (1975) wurde vom Jäger selber geschildert und in der Rieder Zeitung veröffentlicht.



Damals aktive Jäger, aber nicht an der Bockgeschichte beteiligt...

Foto v.l.: Der langjährige Jagdleiter Hubert Hainz (1929-2018) und Johann Zachbauer (1921-1998) ...
Foto v.l.: Der langjährige Jagdleiter Hubert Hainz (1929-2018) und Johann Zachbauer (1921-1998) ...